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Interview mit Ulrik Deichsel (Head of Business Development bei txtr)

Ulrik Deichsel, Head of Business Development bei txtr.

Ulrik Deichsel arbeitet unter dem Titel „Head of Business Development“ bei txtr und ist dort für verschiedene betriebswirtschaftliche Aufgabenfelder verantwortlich. Unter anderem hat er etwa den Dialog mit den Mobilfunkunternehmen und den ersten Content-Partnern geführt. Derzeit beschäftigt er sich vor allem mit dem Vertrieb der White-Label-Lösung. Bevor Ulrik Deichsel zu txtr kam, arbeitete er für das Venture-Capital-Unternehmen Wellington & Partners.

Im Interview, das ich mit ihm in Berlin geführt habe, gibt er interessante Einblicke in das Großkundengeschäft und verrät vielversprechende Neuigkeiten im Bereich internationale Mobilfunk- und Content-Verträge:

Das iPad wurde des Öfteren als Retter der Verlagsbranche tituliert. Stehen die Verlage seit der Ankündigung des iPads der Digitalisierung offener gegenüber?

Ulrik Deichsel: In den letzten Gesprächen die ich geführt habe, war spürbar, dass durch die immense Medienpräsenz natürlich noch einmal alle Beteiligten auf das Thema aufmerksam geworden sind – gerade Buchhändler und Mobilfunker. Außerdem ist es natürlich so, dass das iPad eine reine Apple-Geschichte wird. Das sehen viele meiner Verhandlungspartner auch als Antrieb, selbst etwas zu unternehmen – und das Angebot von txtr ist da sehr attraktiv.

Für die meisten Interessenten seid ihr bisher hauptsächlich als Entwickler des txtr Readers und als Betreiber der Onlineplattform txtr.com in Erscheinung getreten.  Aber auch im Business-to-Business-Geschäft scheint txtr ja große Pläne zu haben – was kann man sich darunter konkret vorstellen?

Ulrik Deichsel: Es ist eine wichtige Geschäftsschiene, die wir anstreben, die txtr-Plattform in einem White-Label-Szenario in Märkten in anderen Ländern zu verkaufen. Das Traumszenario ist dabei, dass man in einem Land eine Kombination aus einem starkem Buchhändler, etwa eine Verlagsgruppe, und einem Mobilfunkanbieter hat. Derzeit kann ich noch keine Details verraten, aber ich erkläre es einmal ein beispielhaft an einem Land, in dem wir nichts planen:

In Belgien etwa könnte man sich vorstellen, der größte Buchhändler und ein Mobilfunker tun sich zusammen und gründen ein Konsortium, um eine eBook-Lösung aufzubauen. Dort gibt es noch kein Amazon und belgische Bücher, die vermutlich sonst niemand im Angebot hat. Mit dem Telekommunikationsunternehmen wird dann ein Mobilfunk-Deal geschlossen, der auf einem Revenue Share basiert. Wenn dann fleißig Bücher digitalisiert werden, lässt sich mit der White-Label-Variante von txtr ein sehr günstiges Angebot auf die Beine stellen. Wir vertreiben also Lizenzen für unsere Plattform  – im Grunde genommen ein typisches Software-Lizenz-Modell, ergänzt durch eine Umsatzbeteiligung und eben einen Geräteverkauf.

Ihr habt ja bereits Zeitungen- und Zeitschriften als Inhalte in Aussicht gestellt. Gibt es diesbezüglich schon Neuigkeiten zu erfahren?
Das ganze Interview lesen…

3M und txtr kündigen strategische Partnerschaft an

18. Februar 2010 Manuel Medicus Keine Kommentare
3M und txtr haben eine strategische Partnerschaft im Bereich eReading angekündigt.

Am Rande des Mobile World Congress haben der amerikanische Multi-Technologiekonzern 3M und txtr am Mittwoch eine strategische Partnerschaft im Bereich eReading bekanntgegeben. 3M (Minnesota Mining and Manufacturing) ist ein im Dow Jones Index notierter Mischkonzern (23 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Jahr) mit über 55.000 Produkten in verschiedenen Branchen – von der Automobil-Zulieferindustrie bis hin zu den Bereichen Medizin und Gesundheit.

Mit der Partnerschaft will 3M sich im schnell wachsenden eReading-Markt positionieren und richtet den Blick dabei vor allem auch auf das Potential abseits des Consumer-Bereichs. Während txtr mit dem verpatzten Produktstart im Dezember auf Verbraucherseite für einige Enttäuschung gesorgt hat, scheinen die Komplettlösungen für den Business-to-Business-Bereich mit ihrer mittel- bis langfristigen Perspektive die Verantwortlichen bei 3M überzeugt zu haben. So kommentierte Stefan Gabriel, Präsident bei 3M New Ventures, die Ankündigung folgendermaßen:

“Wir identifizieren und bewerten fortlaufend neue Geschäftsmöglichkeiten für unser Unternehmen. Die kurz bevor stehende breite Einführung von elektronischem Papier stellt einen Paradigmenwechsel dar und wird viele Industrien grundlegend verändern – und dies nicht nur im Bereich Medien und Verlagswesen. Wir beschreiten diesen schnell wachsenden Markt mit viel Engagement und unterstützen txtr mit unseren Technologien und unserem internationalen Expertennetzwerk.”

Es bleibt nun abzuwarten, wie genau sich diese strategische Partnerschaft auswirken wird. Wirft man einen Blick in das Produkt- und Service-Portfolio von 3M Deutschland, fällt beispielsweise die MicroTouch-Technologie ins Auge, mit der sich 10-Finger-Multitouch-Panels realisieren lassen – kompatibel unter anderem mit Windows 7. Die Marke Vikuiti wäre als Partner im Bereich Displayschutzfolien vorstellbar. Im Punkto Know-how könnte txtr insgesamt von den Erfahrungen 3Ms im Bereich Telekommunikation und Elektronikproduktion profitieren.

Beobachtet man insgesamt die Entwicklungen der letzten Wochen, kristallisiert sich immer mehr das Großkundengeschäft als ein zentrales Standbein von txtr heraus: Erst wurde die Corporate-Webseite neu eingerichtet, dann gab es die Ankündigung eines eigenen App Stores und nun die Partnerschaft mit 3M. Bis jetzt wurden jedoch noch keine Abnehmer für die White-Label-Lösung offiziell bekannt gegeben. Daher lässt sich derzeit nur spekulieren, ob man sich bereits mit entsprechenden Partnern in der Verlags- und Telekommunikationsbranche einig ist.

Aus Nutzersicht ist die strategische Partnerschaft von txtr als Startup mit dem erfahrenen Technologiekonzern 3M grundsätzlich zu begrüßen. Sie mag wohl für eine Unterstützung der aktuellen Produktion des txtr Readers zu spät kommen, verspricht aber dennoch mittel- und langfristig eine technologische Wettberwerbsfähigkeit für zukünftige Produkte und – auch wenn das nach der Pressemitteilung nur im Raum der Spekulationen bleibt – das nötige  finanzielle Kapital, um diese zu realisieren. Über die aktuellen Verzögerungen beim txtr Reader mag diese Aussicht aber kaum hinwegtrösten.

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