Archiv

Autor Archiv

Sommer Roundup

21. August 2010 Manuel Medicus 3 Kommentare

Zum Ende der Sommerpause von txtrblog.de hier ein Nachrichtenüberblick zu den Ereignissen der letzten Wochen:

Release der txtr Android App

Fortan im Google Marketplace erhältlich: die txtr Android App.

Ende Juni ist die schon seit längerem angekündigte txtr App für Android veröffentlicht worden und kann kostenlos im Google Marketplace heruntergeladen werden (Meldung im Firmenblog). Die Reader-App bietet Zugriff auf alle im txtr-Konto gespeicherten Dokumente und verfügt über Basisfunktionen wie Lesezeichen oder verstellbare Schriftgröße. Integriert ist die Möglichkeit nach der Eingabe von Kreditkartendaten direkt unterwegs im txtr Store neue eBooks auf das Endgerät zu laden.

Die Dokumente in der txtr-App sollen bei einem Anschluss des Android-Geräts per USB an den Computer auch per Adobe Digital Editions verwaltet werden können. Auch der Zugriff auf DRM-geschützte Inhalte, die nicht im txtr Store gekauft wurden soll damit möglich sein (Voraussetzung ist die gleiche Adobe ID).

Neue Version der txtr iPhone App – nun auch für das iPad

Die txtr App auf dem iPad

Auch die iOS-Version der txtr-App wurde auf 3.0 upgedated und ist damit auch fit für das iPad (Download via iTunes Store). Wie bei der Android-App ist es nun auch hier möglich direkt über vom Gerät aus auf den txtr Store zuzugreifen und unterwegs neue eBooks zu kaufen.

Johannes von lesen.net hat die neue Version auf dem iPhone getestet und kann sowohl positives als auch negatives berichten: Auf der einen Seite werden der verbesserte Funktionsumfang und das Literaturangebot gelobt, auf der anderen Seite mindern jedoch Fehlermeldungen und das im Vergleich zu iBooks optisch weniger ansprechende Gesamtlayout das Lesevergnügen.

Und noch ein Tipp für alle Nutzer der txtr App für iOS: Markus von APFELNET.de hat eine ausführliche Anleitung inklusive Screenshots verfasst, die anschaulich erklärt, wie sich gekaufte oder geliehene EPUB-Dokumente, die mit Adobe DRM geschützt sind, mit der txtr App auf einem iPhone oder iPad lesen lassen.

Starke Fluktuation im txtr Store

Eine weitere Neuerung, von der auch alle Nutzer der txtr-Anwendungen auf Smartphones profitieren, ist das deutlich vergrößerte Angebot an Englischsprachigen Inhalten im txtr Store. Glaubt man den im eBook-Shop angegebenen Zahlen so ist das Angebot von noch unter 5000 Titeln im Mai auf nun über 120.000 eBooks angewachsen.

Ein stichpunktartiger Vergleich mit Amazons eBook-Angebot zeigt jedoch, dass der Kindle Store für Fans von englischsprachiger Literatur weiterhin unangefochten die erste Wahl darstellen dürfte. Überprüft man etwa die aktuellen Spitzenreiter der New York Times Bestseller List im Bereich Hardcover Fiction (Stand: 21.08.2010), so ist ein deutlicher Unterschied in Preis und Verfügbarkeit auszumachen:

Titel Kindle Store (azw) txtr Store (EPUB)
Stieg Larsson The Girl Who Kicked The Hornet’s Nest 12,03 $ (~9,50 €) 27,90 € (deutsche Fassung Vergebung 8,99€)
Sandra Brown Though Customer 13,79 $ (~10,50 €) n.a.
Kathryn Stockett The Help 13,79 $ (~10,50 €) 22,90 €
Carl Hiaasen Star Island 13,79 $ (~10,50 €) n.a.
Linda Howard Veil Of Night 13,79 $ (~10,50 €) n.a.

Nichtsdestotrotz ist der Ausbau des englischsprachigen Angebots grundsätzlich zu begrüßen. Insgesamt gesehen ist das englischsprachige Angebot im txtr Store in jedem Fall attraktiver als das bisherige deutschsprachige Angebot für den Kindle. Die Gründe für die Unterschiede in der Bepreisung sind zum einen in der starken Verhandlungsmacht von Amazon zu suchen, zum anderen in den größeren Freiheiten für Verlage auf Seiten von txtr.

Während das englischsprachige Angebot exorbitant wuchs, hat sich das deutschsprachige Angebot in der Zwischenzeit verkleinert (wiederum die Korrektheit der im Store angegebenen Zahlen vorausgesetzt). Waren etwa im April noch 5700 Titel in der Kategorie “Belletristik” angegeben, so sind es mittlerweile nur noch 2606, also weniger als die Hälfte.

Diese “Schrumpfkur” bei den deutschsprachigen Inhalten schlägt sich auch in einer teilweise nicht nachvollziehbaren Aufteilung der Kategorien nieder. So findet sich unter dem Unterpunkt “Politik” gerade einmal ein einziger Titel, gegenüber 2606 Titeln in “Belletristik” oder 128.447 Titeln unter “English Books” (Stand: 21.08.2010) – und das obwohl sich alle drei Kategorien organisatorisch auf dem selben Level befinden. Würde man sich diese Aufteilung in einem klassischen Buchladen vorstellen, ergäbe das ein äußerst skurriles Bild.

Neue Kindle-Modelle beleben den Wettbewerb

Das Großereignis des Sommers in Punkto eBook Reader war Amazons Launch des Kindle 3, des Kindle Wi-Fi und bereits zuvor des Kindle DX 2nd Gen. Die neuen Lesegeräte des Marktführers trumpfen vor allem durch ihre vergleichsweise niedrigen Preise und durch neue Displays mit noch stärkerem Konstrast auf. Gerade die hierzulande für 180 € (mit Mobilfunk) beziehungsweise für 135 € (nur WLAN) inklusive Versand erhältlichen Kindle-3-Modelle dürften den Preiskampf auch jenseits der USA enorm verstärken.

Es bleibt abzuwarten, wie txtr auf die veränderten Marktbedingungen reagieren wird. Der ursprünglich für den txtr Reader angekündigte Preis von 299€ dürfte ohne WLAN und mit veralteter eInk-Technologie kaum mehr zu halten sein. Sollte das Gerät dennoch auf den Markt kommen – und es wird weiterhin beteuert, dass das Projekt nicht aufgegeben wurde -, kann daher wohl mit veränderten Hardwarespezifikationen sowie auch mit neuen Preismodellen für den eReader und die Mobilfunkgebühren gerechnet werden.

Release am Horizont?

Die nächsten Termine, die sich für einen Release des txtr Readers anbieten, wären die IFA in Berlin (3. – 8. September), für die bereits von der Konkurrenz (u.a. ThaliaPocketbook und Medion) die Vorstellung neuer Lesegeräte angekündigt wurde, oder die Frankfurter Buchmesse, die dieses Jahr vom 6. bis zum 10 Oktober stattfindet. Der Termin in Frankfurt weckt Erinnerungen an den Herbst letzten Jahres, als der Release des txtr Readers bereits für die Buchmesse erwartet worden war. Ob diese Erwartungen nun mit einem Jahr Verspätung erfüllt werden können?

Sommerpause

“Nachdem ich mein zweites Paar Gummischuhe in diesem Jahr verschlissen hatte, eine Grippe, eine Gesichtsrose und zwei Influenzaanfälle überstanden hatte, erwachte in mir mit aller Macht die alte germanische Sehnsucht nach dem sonnigen Süden, dem ewig blauen Himmel Italiens”

- Hermann Harry Schmitz  ”Als ich gen Italien fuhr” (1909)

Glücklicherweise von Krankheiten verschont, heißt es auch für mich in den nächsten zwei Monaten: “Ab in den Süden”. Nach der Ruhe der letzten Wochen hier bei txtrblog – bedingt einerseits durch die Nachrichtenflaute zum Thema, andererseits aber vor allem durch meine Abschlussprüfungen – folgt nun eine urlaubsbedingte Sommerpause.

Ob der Release des txtr Readers nun genau in diese zwei Monate fallen wird? Darüber lässt sich weiterhin nur spekulieren. Ab Ende August wird es hier mit Nachrichten und Tipps rund um txtr weitergehen. Bis dahin empfehle ich als Informationsquellen Johannes mit lesen.net und natürlich das deutsche MobileRead-Forum.

Sommer, Sonne, Reisezeit

Für alle die literarisch auf Reisen gehen wollen – egal ob in Balkonien oder am südländischen Badestrand – habe ich den txtr-Ordner “Sommer, Sonne, Reisezeit” mit kostenlosen Klassikern der Reiseliteratur angelegt:

Viel Spaß beim Lesen und eine gute Reise!

Vertriebsvertrag mit Random House:
eBooks von Heyne, Goldmann & Co für den txtr Store

Random House Bertelsmann

Wie txtr am Mittwoch bekannt gab, wurde mit der Verlagsgruppe Random House einen Vertriebsvertrag abgeschlossen. Für den Kunden heißt das, dass in Kürze eBooks des mehr als 40 Verlage zählenden Schwergewichts im txtr Store erhältlich sein dürften. Eingeschlossen in den Deal sind damit unter anderem die Verlage Heyne, Goldmann, C. Bertelsmann, DVA und Knaus.

Bestseller, Longseller und Klassiker

Das “umfangreichste deutschsprachige EPUB-Angebot” im txtr Store erhält mit dem Vertragsabschluss attraktiven Zuwachs. Ein Blick auf das eBook-Repetoire von Random House zeigt, dass die Leser vor allem aktuelle Titel erwarten können, darunter auch zahlreiche Bestseller wie etwa die erfolgreichen Krimis von Stieg Larsson. Bisher sind 2400 Titel aus dem umfangreichen Katalog von Random House digital erhältlich. Da neben den Neuerscheinungen auch die Backlist digitalisiert werden soll, dürfte das Angebot beständig um Longseller und Klassiker ergänzt werden.

Der direkte Vertriebsvertrag mit der Verlagsgruppe Random House ist ein weiterer Schritt von txtr, eine Stellung als das führende deutschsprachige eBook-Angebot aufzubauen.  Dies betonte auch Ulrik Deichsel, New Business Developer bei txtr, anlässlich des Vertragsabschlusses und stellte die Bedeutung derartiger Partnerschaften für txtr heraus:  „[...] nur wer in Zukunft die  besten  Inhalte  für  möglichst  viele  unterschiedliche  Endgeräte  anbietet,  hat  in  diesem  Geschäft ausgezeichnete Chancen.“

Die Einigung mit Random House ergänzt die bereits bestehenden Kooperationen, etwa mit den Verlagen der Holtzbrinck-Gruppe, dem Berlin Verlag und den Content-Partnern Ciando, Libreka, Libri Digital und Ingram Digital. Noch nicht offiziell angekündigt wurde der von Ulrik Deichsel im Interview bereits angedeutete Vertragsabschluss mit dem großen amerikanischen Aggregator Overdrive, der für eine erhebliche Erweiterung des englischsprachigen Angebots sorgen soll.

Baustelle txtr Store

Entgegen der Ankündigungen über neue Vertragsabschlüsse im Content-Bereich viel der Zuwachs an neuen eBooks im txtr Store zuletzt verhalten aus – zumindest wenn man die Entwicklung der dort angegebenen Zahlen verfolgt. Auch sonst zeigt der eBook-Shop weiterhin Kinderkrankheiten: Die Kategorisierung ist derzeit etwa noch nicht fehlerfrei und führt zum Teil englischsprachige Titel auch in den eigentlich deutschsprachigen Kategorien auf. Die Kategorien selbst verfügen zudem über keine Permalinks.

Ebenso fallen immer wieder unvollständig eingepflegte Titel mit fehlenden oder ungenügenden Angaben auf (siehe etwa in der Kategorie “Geisteswissenschaften”; Beispiel). Auf der Frontseite des Stores werden Titel und Inhaltsangaben unschön abgeschnitten. Auch versprochene Features wie etwa eine Wunschlistenfunktion oder Gutscheine lassen weiter auf sich warten. Man wird sehen, ob derartige Schwächen bis zum Release des laut der aktuellen Pressemitteilung “bald erscheinenden” txtr Readers ausgemerzt sein werden.

Eine Ankündigung von vielen

Der eBook Reader ist nicht die einzige Ankündigung, auf die txtr noch Taten folgen lassen will:  So wird im Moment an einer einer neuen Version der txtr-iPhone-App gearbeitet, die wohl die angekündigte iPad-Unterstützung mit sich bringen wird.  Zur ebenfalls angekündigten Android-App waren im Rahmen des Mobile World Congress bereits  erste Screenshots zu sehen.  Und dann waren da noch Details zum txtr App Store, die Unterstützung für Developer und zuletzt txtr.hu. Angesichts dieser Anzahl von Baustellen wird in den Berliner txtr-Büros in jedem Fall keine Langeweile aufkommen.

Social DRM, Google Books und Vaporware:
Interview mit Birte Huizing von txtr

12. April 2010 Manuel Medicus 4 Kommentare

Birte Huizingvon txtr

Birte Huizing ist bei txtr in den Bereichen Social Media und Produktmanagement tätig. Nebenher arbeitet sie an ihrer Dissertation zum Thema „Buchmarkt 2.0“ an der Universität Hildesheim. Vor txtr hat sie beim Ullstein Verlag ein Volontariat abgeschlossen.

Birte war es, die mich im Februar nach Berlin  eingeladen hatte und mir die Interviewpartner organisierte, wofür ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken möchte. Am Ende stand auch sie mir noch für einige Fragen zur Verfügung:

Den Hauptteil der Inhalte im txtr Store bezieht ihr über die großen Aggregatoren. Daneben schließt ihr mit ausgewählten Verlagen einzelne Deals ab. Du arbeitest bei txtr neben Social Media auch in diesem Bereich – kannst du uns einen kleinen Einblick geben?

Birte Huizing: Ich kümmere mich derzeit um die Independent Verlage. Das heißt, ich rede zum Beispiel mit Kein & Aber, Voland & Quist oder Mairisch. Generell kriegen wir momentan sehr viele Anfragen von Verlagen, die bei uns vertreten sein wollen. Die Ausgangslage ist dabei ganz unterschiedlich –  einige haben bereits EPUBs, andere noch nicht.

Uns ist es wichtig, auch Titel ins Angebot zu bekommen, die literarisch interessant sind, aber vielleicht nicht gleich bei Random House erscheinen. In einer gut sortierten Buchhandlung findet man die und deshalb sollte man sie auch in einem gut sortierten eBook Store finden.

Die Aufgabe mit den Verlagen hat sich bei mir angeboten, weil ich ja direkt von einem Verlag gekommen bin. Außerdem habe ich auch privat einen größeren Verlagsbackground – mein Vater ist Schriftsteller, meine Mutter hat eine Buchhandlung. Die Verlagswelt ist mir also sehr vertraut.

Das ganze Interview lesen…

DRM, zukünftige Verlage und Soziale Netzwerke:
Interview mit Joscha Bach von txtr

Joscha Bach (txtr)

Joscha Bach ist Mitgründer von txtr und derzeit vor allem für die Bereiche Content und Produktmanagement im Endkundenbereich verantwortlich. Vor txtr hat er Informatik und Philosophie studiert und am Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück promoviert. Im Anschluss daran gründete er zusammen mit Ronnie Vuine die Firma Bookpac und entwickelte Grundlagen für eine Dokumentenplattform, die sich heute unter der Oberfläche von txtr.com wiederfinden.

Bei meinem Berlinbesuch im Februar stand mir Joscha Bach freundlicherweise für einige Fragen zur Verfügung. Mit prüfungsbedingter Verspätung gibt es hier nun das Interview. Themen sind unter anderem die Problematik von DRM für eBook-Händler, zukünftige Verlage und die Social-Network-Ambitionen von txtr.com:

Wie sieht es mit einer Desktop-App von txtr aus? Wird es ein Konkurrenzangebot zum nicht immer geliebten Adobe Digital Editions geben?

Joscha Bach: Ich glaube nicht. Das liegt daran, dass Digital Editions ja nicht die einzige Lösung ist um EPUBs zu lesen und wir nicht denken, dass es sich lohnen würde, hier ein weiteres Konkurrenzangebot zu machen. Digital Editions mag zwar unbeliebt sein, aber es tut seinen Zweck. Im Augenblick ist es vor allem die Antwort auf das Bedürfnis Inhalte mit Adobe DRM darzustellen.

Adobe-DRM wird auch in euren EPUBs angewendet. Ist das eine zufriedenstellende Lösung?

Joscha Bach: Ich persönlich bin eher skeptisch, was die ökonomische Fähigkeit von Adobe DRM angeht. Sicherlich ist es eine Lösung, die gemessen an dem was technisch machbar ist, sehr weit vorne ist. Aber DRM an sich ist ein Problem. Dazu gehört vor allem, dass das Dokument an bestimmte Geräte gebunden wird. Diese Dokumente leben nun aber wahrscheinlich länger für den Kunden, als es dieses Gerät tut.

Für uns manifestiert sich das als ein Supportproblem. Das heißt, für so und so viele Dokumente mit Adobe DRM die wir verkaufen, haben wir so und so viele Kunden, die bei uns anrufen, weil sie Probleme damit haben, die durch das DRM bedingt sind. So ist etwa eine häufige Frage: „Ich habe hier dieses Dokument gekauft. Wie bringe ich es jetzt dazu, dass es auf meinem Gerät funktioniert?“.  Und dann geht es los: Wo gibt man die Adobe ID ein? Was ist eine Adobe ID? Wie ordnet man Dokumente der Adobe ID zu? Was wird da genau übertragen? Und so weiter. Es passieren also eine Reihe ziemlich hässlicher Sachen, bei denen man den Käufern erst einmal erklären muss, wie alles funktioniert.

Als Kunde bedenkt man nicht immer, dass dieses Erklären natürlich Geld kostet, weil wir jemanden bezahlen müssen, der das erledigt. Wenn man dann ökonomisch prüft, stellt man fest, dass man hier schnell mehr Geld ausgeben kann, als man mit dem Verkauf der Dokumente verdienen kann. Deshalb glaube ich nicht, dass die derzeitigen DRM-Technologien, die noch so supportbedürftig sind, auf Dauer für ein Unternehmen funktionieren. Da muss sich dringend etwas ändern.

Das ganze Interview lesen…

Zeitungen, Mobilfunk-Deals und Overdrive:
Interview mit Ulrik Deichsel (Head of Business Development bei txtr)

Ulrik Deichsel, Head of Business Development bei txtr.

Ulrik Deichsel arbeitet unter dem Titel „Head of Business Development“ bei txtr und ist dort für verschiedene betriebswirtschaftliche Aufgabenfelder verantwortlich. Unter anderem hat er etwa den Dialog mit den Mobilfunkunternehmen und den ersten Content-Partnern geführt. Derzeit beschäftigt er sich vor allem mit dem Vertrieb der White-Label-Lösung. Bevor Ulrik Deichsel zu txtr kam, arbeitete er für das Venture-Capital-Unternehmen Wellington & Partners.

Im Interview, das ich mit ihm in Berlin geführt habe, gibt er interessante Einblicke in das Großkundengeschäft und verrät vielversprechende Neuigkeiten im Bereich internationale Mobilfunk- und Content-Verträge:

Das iPad wurde des Öfteren als Retter der Verlagsbranche tituliert. Stehen die Verlage seit der Ankündigung des iPads der Digitalisierung offener gegenüber?

Ulrik Deichsel: In den letzten Gesprächen die ich geführt habe, war spürbar, dass durch die immense Medienpräsenz natürlich noch einmal alle Beteiligten auf das Thema aufmerksam geworden sind – gerade Buchhändler und Mobilfunker. Außerdem ist es natürlich so, dass das iPad eine reine Apple-Geschichte wird. Das sehen viele meiner Verhandlungspartner auch als Antrieb, selbst etwas zu unternehmen – und das Angebot von txtr ist da sehr attraktiv.

Für die meisten Interessenten seid ihr bisher hauptsächlich als Entwickler des txtr Readers und als Betreiber der Onlineplattform txtr.com in Erscheinung getreten.  Aber auch im Business-to-Business-Geschäft scheint txtr ja große Pläne zu haben – was kann man sich darunter konkret vorstellen?

Ulrik Deichsel: Es ist eine wichtige Geschäftsschiene, die wir anstreben, die txtr-Plattform in einem White-Label-Szenario in Märkten in anderen Ländern zu verkaufen. Das Traumszenario ist dabei, dass man in einem Land eine Kombination aus einem starkem Buchhändler, etwa eine Verlagsgruppe, und einem Mobilfunkanbieter hat. Derzeit kann ich noch keine Details verraten, aber ich erkläre es einmal ein beispielhaft an einem Land, in dem wir nichts planen:

In Belgien etwa könnte man sich vorstellen, der größte Buchhändler und ein Mobilfunker tun sich zusammen und gründen ein Konsortium, um eine eBook-Lösung aufzubauen. Dort gibt es noch kein Amazon und belgische Bücher, die vermutlich sonst niemand im Angebot hat. Mit dem Telekommunikationsunternehmen wird dann ein Mobilfunk-Deal geschlossen, der auf einem Revenue Share basiert. Wenn dann fleißig Bücher digitalisiert werden, lässt sich mit der White-Label-Variante von txtr ein sehr günstiges Angebot auf die Beine stellen. Wir vertreiben also Lizenzen für unsere Plattform  – im Grunde genommen ein typisches Software-Lizenz-Modell, ergänzt durch eine Umsatzbeteiligung und eben einen Geräteverkauf.

Ihr habt ja bereits Zeitungen- und Zeitschriften als Inhalte in Aussicht gestellt. Gibt es diesbezüglich schon Neuigkeiten zu erfahren?
Das ganze Interview lesen…

txtr bald auch in Ungarn

txtr scheint vor einer Kooperation mit einem ungarischen Buchhändler zu stehen

Allem Anschein nach ist txtr auf der Suche nach Geschäftspartnern im Ausland fündig geworden. Auf txtr.hu gibt es eine erste Ankündigung, in der eine Kooperation von txtr mit ungarischen Buchhändlern bekannt gegeben wird.

Eine Übersetzung von txtr-hu mit Google Translate lässt vermuten, dass es sich bei den Partnern in Ungarn um die beiden Buchhändler Lira und Bookline handelt. Diese haben für das Projekt zusammen die Firma  “eKönyv Ungarn” gegründet (eKönyv = eBook). Neben txtr ist mit dem Verlagsdienstleister hgv aus der Holtzbrinck-Verlagsgruppe ein weiteres deutsches Unternehmen an der Schaffung des neuen ungarischen eBook-Portals beteiligt.

Die Verhandlungen mit den Mobilfunkanbietern scheinen noch nicht abgeschlossen zu sein. Der Start für txtr.hu ist aller Wahrscheinlichkeit für das Budapest Book Festival (22.-25. April) geplant.

Achtung: Ich bin der ungarischen Sprache leider nicht mächtig. Bis eine Pressemitteilung von txtr selbst erscheint, sind die Informationen daher noch nicht 100% verifizierbar. Der Artikel wird ergänzt, sobald entsprechend weitere Details bekannt werden.

Update 16.03.2010: Seit heute gibt es eine offizielle Pressemitteilung von txtr zum Engagement in Ungarn. Demnach ist man mit der größten ungarischen Verlagsgruppe Lira Könyv (die unter anderem auch eine führende Buchhandelskette und einziger Buch-Großhandel in Ungarn ist) und dem Online-Buchhändler bookline.hu ein Joint Venture eingegangen, das den Namen eBook Hungary trägt.

Ab dem 30. März diesen Jahres soll auf txtr.hu dann eine ungarische Version des txtr Store zur Verfügung stehen. Der txtr Reader soll ab dem Sommer 2010 in Ungarn im Angebot sein. Die Verhandlungen mit einem Mobilfunkpartner sind derzeit noch nicht abgeschlossen. Hier die volle Pressemitteilung:

PM txtr Ungarn

Wenn dort vom “ersten europäischen Ableger” von txtr die Rede ist, wirft das natürlich die Frage auf,  wo mit weiteren Joint Ventures zu rechnen ist. An Auswahl und Bedarf sollte es ja bei der derzeitigen Marktlage ja nicht mangeln.

Fjord zeigt Video zum “Vernetzten Lesen”

Die Zusammenarbeit von txtr und Fjord, die im Vorfeld des Mobile World Congress offiziell bekannt gegeben worden ist, trägt weiter Früchte. Nachdem bereits das neue txtr-Logo und das überarbeitete Layout von txtr.com aus der Kooperation erwachsen sind, hat Fjord heute im eigenen YouTube-Channel ein Video zur gemeinsamen Vision des “Vernetzten Lesens” gepostet.

In dem kurzen Clip kommen Christian Lindholm (Managing Partner bei Fjord) und Christoph Maire (CEO bei txtr) zu Wort und sprechen über die Möglichkeiten der Digitalisierung und dem Lesen in der “Cloud“:

“Connected Reading”:
Video zur Präsentation von Christophe Maire auf der TEDx Berlin

26. Februar 2010 Manuel Medicus Keine Kommentare

Als kleinen Nachtrag zum Interview mit txtr-CEO Christophe Maire gibt es heute noch eine Videoaufnahme seiner Präsentation auf der TEDx in Berlin (Technology, Entertainment, Design), auf die ich bei YouTube gestoßen bin. Der Vortrag unter dem Titel “Connected Reading” ist zwar bereits einige Monate alt (November 2009), hat aber an Aktualität nichts verloren. Thematisch setzt sich die englische Präsentation mit der Entwicklung des digitalen, vernetzten Lesens und deren möglichen Auswirkungen auf das Papierbuch sowie die Gesellschaft im Ganzen auseinander:

iPad, Vaporware und das neue txtr-Logo:
Kurzinterview mit Christophe Maire (CEO von txtr)

25. Februar 2010 Manuel Medicus 22 Kommentare
Christophe Maire, CEO von txtr

Christophe Maire ist Chief Executive Officer von txtr und verfügt über eine Erfahrung von 15 Jahren als Gründer und CEO von Technologieunternehmen. Er gründete und leitete Gate5 (unter anderem zusammen mit txtr-CTO Andreas Steinhauser), eine Firma für Navigationssoftware, die 2006 nach 7 Jahren von Nokia übernommen wurde. Zuvor war er unter anderem geschäftsführender Direktor des FX.center Babelsberg, einem Filmstudio für digitale Produktion und Visual Effects. Christophe Maire ist außerdem Partner beim Venture-Capital-Unternehmen Atlantic Ventures, das in verschiedene StartUp-Unternehmen investiert (unter anderem SoundCloud, Plista und auch txtr selbst) und bereits erfolgreich investiert hat (Gate5, Plazes, StudiVZ).

Während meines Besuchs bei txtr in Berlin hatte ich kurzfristig die Gelegenheit, Christophe Maire einige Fragen zu stellen – hier das Ergebnis des Kurzinterviews:

Werden es eInk-Lesegeräte wie der txtr Reader nach der Einführung des iPads schwerer haben? Gibt es genügend Raum auf dem Markt für beide?

Christophe Maire: Hier wird man damit konfrontiert, was ich manchmal das „DDR-Argument“ nenne: Nur ein Auto. Die Realität im Bereich mobile Geräte ist jedoch eine ganz andere. Man muss sich nur ansehen, wie viele verschiedene Mobiltelefone Nokia anbietet. Es wird auf jeden Fall unterschiedliche Geräte für unterschiedliche Situationen geben. Das iPad ist von den Features her sicherlich eher ein Zeitschriften-Medium. Ein Buch werde ich auf dem Display nicht lesen – sonst würde ich das schon heute auf meinem Netbook oder Notebook tun. Dann ist es aber auch eine Frage der Preisentwicklung:  Warum sollte ich nicht ein Gerät für Bücher haben und ein anderes für Magazine? Ich denke, dass genau das bei vielen immer wieder zu enormen Missverständnissen führt, wenn sie zwanghaft nach einem Gerät suchen, das alles kann, es aber nicht finden.

Wird es bei Lesegeräten so sein – wie etwa bei Fotokameras und Musikspielern zu beobachten -, dass sich viele Kunden mit Multifunktionsgeräten zufrieden geben und vorwiegend Profis auf dedizierte Geräte zurückgreifen?

Christoph Maire: Sicherlich ist heute in beinahe jedem Handy eine Musik- und eine Foto-Funktion integriert. Aber es gibt auch Beispiele wie die erfolgreichen Flip-Kameras, die zeigen, dass der Bedarf für Dedicated Devices auch im Low End Bereich besteht. Ich denke, dass wir eher eine Vielzahl von günstigen eBook Readern sehen werden, die beispielsweise bei einem Abonnement mitgeliefert werden, als tatsächlich Geräte, die „Alles-in-Einem“ versprechen.

Zu den Produktionsproblemen: Es gab Befürchtungen,  dass der txtr Reader zu Vaporware würde. Besteht die Gefahr?

Christophe Maire: Nein, das ist nicht zu befürchten. Die Verzögerungen waren sehr frustrierend, für die Interessenten wie für uns. Wir haben versucht, die Probleme so transparent wie möglich zu behandeln. Aber ich denke, an sich ist das „Business as usual“ – wir kennen derartige Verzögerungen auch von vielen Mitbewerbern. Jetzt sind die Probleme gelöst.

Seit kurzem gibt es ein neues offizielles txtr-Logo, das nun mehr den Schwerpunkt Lesen als die Web-2.0-Aspekte hervorhebt. Reagiert ihr damit auf eine Neuausrichtung von txtr oder hat das alte Logo einfach nicht gepasst?

Christoph Maire: Ja, das Logo hat nicht gepasst – es ist am Anfang sehr schnell entstanden. Auch wenn diese sozialen Elemente bei uns sehr wichtig sein werden, im Kern geht es um das Lesen. In der Broschüre für die Frankfurter Buchmesse haben wir bereits versucht, das stärker auszudrücken:  Es geht um die Reduktion auf das Wesentliche. Wir denken, dass es gerade die Macht der Konzentration ist, was uns auszeichnet. Auch für unsere Partner – ob das jetzt Verlage oder Mobilfunkpartner sind – ist unsere Spezialisierung ein Vorteil.

Der „Serious Reader“ wird immer wieder als Zielgruppe für den txtr Reader genannt. Wird es auf txtr.com spezielle Angebote geben, um diesen Anspruch zu unterstützen?

Christoph Maire: Ja, wir haben einige Ideen: Zum Beispiel hoffen wir in Kooperation mit den Verlagen Leseproben anbieten zu können. Außerdem wollen wir den Nutzern eine Reihe von Werkzeugen in die Hand geben, um Bücher empfehlen zu können und ähnliches in diese Richtung. Es ist ja gerade die Chance des neuen Mediums, dass nicht nur neue Formen von Businness-Modellen sondern auch neue Formen des Konsums möglich werden – und das ist sehr spannend.

View in: Mobile | Standard