Was ist eigentlich Near Field Communication (NFC)?

Der txtr Reader wird neben Blutooth, WLAN und GPRS/EDGE einen vierten – noch eher unbekannten – Funkstandard unterstützen, nämlich Near Field Communication (NFC). Was es damit auf sich hat und welche Nutzungsmöglichkeiten sich für den txtr Reader ergeben, erfahrt ihr hier.

Was ist NFC?

Offizielles Logo für Near Field Communication (NFC)

Near Field Communication ist ein Standard zur sicheren Funkübertragung von Daten über kurze Strecken, der vor allem in Mobiltelefonen zum Einsatz kommen soll. Im Gegenteil zu Bluetooth und WLAN hat NFC nur eine Reichweite von etwa 10 Zentimetern und eine Datenübertragungsrate von 424 kbit/s. Dafür benötigt NFC  weniger als 100 ms um eine Verbindung herzustellen (eine Konfiguration ist nicht nötig) und ist kompatibel zum RFID-Standard, der in Zukunft immer mehr die alten 2D-Barcodes ersetzen wird. Darüber hinaus hat der Standard im Vergleich zu Bluetooth einen weitaus niedrigeren Energieverbrauch und funktioniert auch, wenn einer der beiden Funkchips gerade über keinen Strom verfügt, weil etwa das Gerät ausgeschalten ist.

Wofür braucht man NFC?

Bis jetzt steht NFC noch in den Starlöchern. In zahlreichen Pilotprojekten werden und wurden bereits zukünftige Einsatzmöglichkeiten getestet. Im besonderen Blickfeld liegt dabei die Möglichkeit, über ein Handy per NFC sichere und bequeme bargeldlose Bezahlungen durchführen zu können. Die geringe Reichweite (im Vergleich etwa zu Bluetooth) gewährleistet eine höhere Sicherheit. Am Beispiel von Fahrkarten oder etwa Automaten wurde das bereits mehrfach umgesetzt. Generell sind vielfältige Einsatzzwecke denkbar, etwa die Nutzung zur Identifikation (z.B. als Schlüssel in Hotels) oder für das Abrufen von Informationen (z.B. von Reklametafeln).

Ein Video des MIT Mobile Experience Laboratory zeigt einige Beispiele, wie NFC den Alltag verändern könnte:

Auch wenn in Europa derzeit noch wenige Geräte mit dem NFC-Standard erhältlich sind, ist ein Durchbruch in den nächsten Jahren zu erwarten. Dem NFC-Forum, das 2004 von den beiden Entwicklern des Standards, Sony und NXP Semiconductors, zusammen mit Nokia gegründet wurde, haben sich mittlerweile zahlreiche namhafte Unternehmen verschiedener Branchen angeschlossen. Unter den Mitgliedern befinden sich einerseits Handyhersteller wie Motorola und Samsung, Telekomunikationsunternehmen wie Vodafone oder France Télécom aber auch Finanzdienstleister wie American Express, Mastercard oder VISA. Auf der offiziellen Webseite gibt es eine Reihe weiterer Videos zum Thema NFC.

Welche Nutzungsmöglichkeiten ergeben sich mit NFC für den txtr Reader?

Zunächst einmal gar keine, denn nach den bisherigen Informationen wird der NFC-Chip zwar in der Hardware des txtr Reader integriert sein, wirkliche Anwendungsmöglichkeiten über die Software sind aber erst über zukünftige Updates zu erwarten. An erster Stelle steht dabei “txtr air share”, also die Möglichkeit zwischen zwei txtr Readern auf einfache Weise Dokumente auszutauschen. Die simple Handhabung von NFC entspricht dabei genau dem “Easy Tec”-Anspruch des Readers.

Aber auch andere Anwendungen wären denkbar. Wie wäre es zum Beispiel, wenn man auf einer Konferenz die Unterlagen zum aktuellen Vortrag einfach beim Betreten des Raumes auf das Gerät laden könnte? Oder wenn man beim Besuch eines Museums durch eine kurze Berührung einen Guide auf den Reader laden könnte? Ich erinnere da an das Video aus dem Artikel “Wie werden wir in Zukunft lesen”.

Die wohl naheliegendste Anwendung der Near Field Communication mit dem txtr Reader ist dann aber doch der Einsatz in Buchhandlungen und Büchereien. Über entsprechende Terminals könnte man etwa direkt in einer Buchhandlung eBooks auf den eReader laden und gleichzeitig bezahlen. Am Bahnhof könnte ein weiteres Terminal im vorbeigehen eine Tageszeitung liefern. In Büchereien und Bibliotheken könnte über den Chip das Ausleihen von elektronischen Texten abgewickelt werden.

Natürlich steht das alles im Konjunktiv, doch wirklich abwegig sind die Gedanken nicht. In punkto Mobilfunk ist txtr ja bereits eine Partnerschaft mit Ecotel eingegangen (deren Tochterunternehmen ppro zudem ein Spezialist für ePayment-Services ist). Auch die Bezahlung mobiler Inhalte hat man via txtr Store bereits geregelt. Fehlen also nur noch die Partner im Bereich Content. Man darf gespannt sein, ob man bei txtr noch eine Überaschung aus dem Hut zaubern wird – ständige Verhandlungen über weitere Inhalte scheinen ja geführt zu werden. In jedem Fall ist der txtr Reader in Punkto Funkstandards für die Zukunft gerüstet.

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Bookmarks
  • del.icio.us
  • email
  • PDF
  1. 25. Oktober 2009, 20:28 | #1

    Da wurde in den txtr einfach zu viel gepackt.
    NFC und Bluetooth? Wozu? Selbst der Hersteller weiß diese Frage nicht zu beantworten!

  2. 27. Oktober 2009, 00:53 | #2

    Hmmm… Ich habe den Link zu der Hardwarebeschreibung gerade nicht griffbereit, aber kann es sein, daß NFC und Bluetooth sowieso auf dem selben Chip sind und nur per Software angeknipst werden müssen? Stichwort “Software defined Radio” ( http://de.wikipedia.org/wiki/Software_Defined_Radio ) ?

  3. 27. Oktober 2009, 10:46 | #3

    @Hakan
    Ob sie auf dem selben Chip sind, weiß ich nicht. In dieser “PCB-Layout”-Grafik in der txtr Developer-Wiki sieht es allerdings ganz so aus, als wären NFC und Bluetooth auf der Platine getrennt.

    Per Software sind beide Interfaces ansteuerbar – auch NFC. Entwickler die sich daran versuchen wollen, haben also freie Bahn ;)

  4. Acid Burn
    27. Oktober 2009, 13:43 | #4

    Find ich gut. Gibt’s denn bereits PC-Komponenten um beispielsweise einen Ebook-Server im POS zur realisieren (txtr2txtr oder txtr2mobile ist vielleicht erst der zweite Schritt)?

  5. 27. Oktober 2009, 16:02 | #5

    An der Hardware sollte es nicht scheitern – beim cryptoshop gibt es etwa mit dem ACR 122 einen USB-Dongle der als Cardreader für die Standards RFID, NFC und FeliCa dient.

    Bei der Software ist mir nichts bekannt – ich weiß aber nicht, inwiefern sich da schon vorhandene Lösungen einfach auf NFC umkonfigurieren lassen.

    Mehr zu NFC gibt es auch bei nearfieldcommunicationsworld.com

  6. Joghurt
    28. Oktober 2009, 11:37 | #6

    Keine Ahnung, wo man sowas hier ablegen kann, daher platziere ichs mal hier:
    http://www.golem.de/0910/70753.html

  7. Marcel
    30. Oktober 2009, 12:12 | #7

    Jetzt noch eine DRM-gestützt Verleihfunktion à la Barnes&Noble / Nook Reader und NFC wird ne praktische Sache.

  8. 30. Oktober 2009, 13:14 | #8

    @Marcel
    Das wäre allerdings ein wirklich verlockendes Feature. Meiner Meinung nach sollte eine entsprechende Entleih-Funktion am Besten gleich in den offiziellen DRM-EPUB-Standard mitaufgenommen werden, so dass das generell möglich wird. Man kann nur hoffen, dass die Verlage in dem Punkt schnell mutiger werden.

  9. Acid Burn
    1. November 2009, 19:49 | #9

    Offtopic:
    Über drei Jahre war “eReader” ein absolutes u-Boot-Thema und jetzt sowas: “German Parliament Makes Bulk E-reader Purchase”?
    Farbige Displays wahrscheinlich schon nächstes Jahr, Vodafone ist da auch was am planen dran usw. usf.
    Hä? Warum knallts jetzt an allem Ecken? Weiß es jemand?

  10. Joghurt
    1. November 2009, 21:16 | #10

    Ist wahrscheinlich einfach “die Zeit dafür”, so wies bei den Navis vor drei Jahren plötzlich losging, und jetzt hat jeder zweite eins… :)

  11. 1. November 2009, 22:37 | #11

    @Acid Burn
    Na, da warst du dann doch ein wenig schneller als ich – mein aktueller Artikel “Biegbar, bunt und schnell – die eReader-Displays der Zukunft” geht genau in diese Richtung.

    Auf die Frage – Warum knallts jetzt an allen Ecken? – gebe ich die Antwort: Weil alle merken, dass die Technologien in Kürze wirklich für den Massenmarkt tauglich werden. Und ist erst einmal die Nachfrage da, dann kann es sich keiner der großen Unterhaltungselektronikkonzerne leisten, kein passendes Gerät für seine Stammkunden bereitzuhalten.

    @Joghurt
    In diesem Sinne also: dito ;)

  1. Bisher keine Trackbacks
View in: Mobile | Standard