Nach der Messe: Presseschau zum txtr Reader
Gestern ging sie zu Ende – die Frankfurter Buchmesse – und mit ihr die Premierevorstellung des txtr Readers vor großem Publikum. Wie waren die Reaktionen auf den txtr Reader? Eine kleine Presseschau abseits der Agenturmeldungen zeigt, dass das Thema eBook-Reader für viele Redaktionen noch eher ungewohntes Terrain ist:
SPON titelt in ihrem Netzwelt-Ticker: Jetzt kommt der teutonische txtr – eine Überschrift, die man vielleicht eher von amerikanischen Kollegen erwartet hätte. Man bemängelt den hohen Preis und macht sich über den unterentwickelten eBook-Markt im Allgemeinen her (SPON weiß ja eh, woran das System krankt).
Golem hebt zielgruppengerecht die Offenheit gegenüber Entwicklern hervor: Programmierbar: E-Book-Reader txtr kommt im Dezember 2009. Weiter heißt es:
Die offene Firmware basiert auf Linux und über APIs können Entwickler eigene Anwendungen für den txtr Reader programmieren. Das könnte der fehlende Internetbrowser, ein Kreuzworträtsel oder eine Wiedergabe von Hörbüchern über Bluetooth-Headsets sein.
Ansonsten stellt Golem die Fakten zum Reader dar – vertut sich aber am Ende noch beim iPhone-Client: “ein Client ist in Vorbereitung” heißt es da – nein, eine neue Version mit DRM-EPUB-Unterstützung ist in Vorbereitung – den iPhone-Client gibt es schon. Ein Fehler, über den übrigens auch das Börsenblatt stolpert.
Geradezu amüsant ist der Bericht von connect. Eigentlich würde man ja annehmen, dass man sich dort mit Mobilfunk auskennt. Trotzdem wird hier (E-Book-Reader Txtr ab 1. Dezember) dem txtr Reader schier unglaubliches zugeschrieben:
Die Übertragung läuft im Netz von E-Plus mit offenbar mehr als 200 Megabit pro Sekunde
Wow! Wenn es mit dem txtr Reader möglich wäre, per EDGE eine Geschwindigkeit von 25 MB/s zu erreichen, würden ihn die meisten wohl nur mehr als eine Art mobiles DSL-Modem kaufen. Auch sonst scheint connect hier einiges durcheinanderzubringen und berichtet von 1 GB internem Speicher. Dass die Abo-Preise als verpflichtend dargestellt werden, ist bei der “angenommenen” Geschwindigkeit der Datenverbindung sogar noch nachvollziehbar.
Bei heise online (txtr: E-Book-Reader für 320 Euro zum Weihnachtsgeschäft) dagegen merkt man, dass der zuständige Redakteur der c’t bei der Pressekonferenz vor Ort war, denn hier hat man wohl als einziger die ersten Details über künftige Reader-Generationen aufgeführt:
Schon im nächsten Jahr könnte es eine großformatige Variante mit 9,7 Zoll Display-Diagonale und Toucheingabe geben, sagte Technik-Chef Steinhauser. Dabei betonte er, dass man dabei an einer eigenen Lösung arbeite, bei der der Kontrast nicht wie bei Konkurrenzprodukten durch eine Touchfolie beeinträchtigt werde.
Beim Branchenmagazin buchreport fixiert man sich auf den vermeintlich verzögerten Release-Termin: Ein Quartal Verspätung. Der Versuch die Pressemitteilung knapp in einer Liste zusammenzufassen schlägt zumindest im letzten Punkt deutlich fehl. Denn der liest sich, als ob die Synchronisation jeglicher Daten mit txtr.com lediglich per kostenpflichtigem Daten-Abo möglich wäre – kein Wort von Mobilfunk und der kostenlosen Variante per USB und WLAN. Dementsprechend verstehen das dann auch die Leser falsch, die in den Kommentaren gleich einen horrenden Gesamtpreis des txtr Readers von 463 € errechnen.
Bei der FAZ scheint es, ist man sich seiner Meinung nicht ganz so sicher. Attestiert man dem txtr Reader am Freitag (Txtr bietet Amazon und Sony die Stirn) noch eine “eine nahezu erotische Ausstrahlung”, so wird daraus am Sonntag (Kindle & Co.) ein, “Und mit seiner Plastikhülle sieht es noch nicht einmal edel aus”. Außerdem kritisiert man nun, der txtr Reader liege nicht gut in der Hand und sie hätten Probleme gehabt, ihn festzuhalten.
Und dann war da noch der Artikel von engadget - und damit dann auch wieder die Teutonen: txtr’s e-reader offers a 6-inch e-Ink display, plenty in the way of Teutonic content. Fünf informationsbepackte Sätze von teilweise geradezu literarischer Verschachteltheit und ein etwas unterbelichtetes Bild, auf dem nicht einmal das Steuerkreuz zu erkennen ist, sind zwar keine wirklich aussagekräftige Meldung, aber engadget stellt für den txtr Reader dann doch ein gern gesehenes Sprungbrett in Richtung weltweite Aufmerksamkeit dar.
Aufgeklärte Mißverständnisse im txtr.com blog
In Anbetracht der vielen Mißerverständnisse und dem blanken Nonsens ist es verständlich, dass Ronnie Vuine von txtr heute in einem Blog-Post noch einmal die häufigsten Unklarheiten beseitigt hat:
- Keine Abo-Pflicht, also auch keine Folgekosten.
- Die neue Version der iPhone-App mit DRM-EPUP ist auf dem Weg.
Ansonsten zeigt man sich bei txtr äußerst zufrieden, über das Medienecho im Rahmen der Messe. Wer den kleinen Messestand von txtr gesehen hat, muss auch zugeben, dass sie bei diesen Größenverhältnissen für einen ganz schönen Wirbel gesorgt haben
Beim Verfolgen der Berichterstattung ist eindeutig zu erkennen, dass in vielen Redaktionen noch starker Nachholbedarf beim Thema digitale Lesegeräte besteht. Eigentlich unverständlich – denn gerade die Nachrichtenangebote werden sich über kurz oder lang in Bezug auf ihren Content sehr intensiv mit dem Thema auseinandersetzen müssen.













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