Biegbar, bunt und schnell – die eReader-Displays der Zukunft

Auch wenn es seit der Informationsflut im Rahmen der Buchmesse wenig Neues in Punkto txtr Reader zu berichten gibt, scheint es doch klar, dass der Markt für eBook-Reader vor einem großen Sprung steht. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Unternehmen ein neues digitales Lesegerät ankündigt, eine neue Technologie anpreist oder eine neue eBook-Offensive einläutet.

Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei vor allem neue ePaper-Displays, denn diese versprechen mit höheren Bildwiederholungsraten, biegbarer Hardware und farbiger Darstellung ein neue Generation von eReadern einzuleiten. Ein Überblick über die vielversprechendsten Technologien:

AU Optronics (AUO)

AU Optronics

AU Optronics (Teil der BenQ-Gruppe), einer der größten Hersteller von LCD-Flachbildschirmen, will ein Stück vom ePaper-Kuchen abbekommen. Auf der FPD kündigte man jüngst an, dass für 2010 biegbare Graustufen-Displays mit einem Kontrast von 9:1 geplant sind. Zum Einsatz wird dabei die Microcup-Technologie kommen, die sich AUO durch den Einstieg bei SiPix gesichert hat.

Weitere Informationen: AUO | heise | Displayblog

Bridgestone

Bridgestone

Der Reifenhersteller Bridgestone entwickelt bereits seit mehreren Jahren elektronisches Papier auf Basis der QR-LPD-Technologie (Quick Response Liquid Powder Display). Jüngst präsentierte Bridgestone auf der FPD International in Yokohama einen Prototypen mit biegbarem, farbigem Display und einer Seitenaufbaugeschindigkeit von 0,8 Sekunden. Für 2010 sind Pilotversuche mit einer Bank in Japan geplant. Wann und ob die Technologie für Consumer-Produkte eingesetzt werden kann, steht noch nicht fest.

Weitere Informationen: Golem | heise | TechOn | MobileRead

Qualcomm

Aus den Labors von Qualcomm stammt die Mirasol-Technologie, die stromsparende, farbige Displays mit einer Bildwiederholungsrate von 30 fps ermöglichen soll und daher vor allem für den Einsatz in Mobiltelefonen interessant ist. Bei der Entwicklung von Mirasol hat man sich die schimmernden Flügel von Schmetterlingen zum Vorbild genommen.

Weitere Informationen: Mirasol | Gizmodo | Popular Mechanics | MobileRead

Liquavista

Liquavista, das niederländische Spin-Out von Philips, hat gleich drei ePaper-Technologien der nächsten Generation in der Entwicklung: LiquavistaBright, LiquavistaVivid und LiquavistaColor. Sowohl Graustufen- als auch Farb-Displays mit filmtauglicher Bildwiederholungsrate sollen möglich sein. Das von Liquavista angewandte Verfahren basiert auf Elektrobenetzung (Electrowetting). Den ersten Einsatz in Produkten erwartet man für 2010/2011.

Weitere Informationen: Liquavista | Engadget | Tinta E | MobileRead

Pixel Qi

Pixel Qui arbeitet an einer Technologie, die die Lesbarkeit von eInk mit der Geschwindigkeit von LCDs vereinen will. Dabei soll mit einer auf Knopfdruck anschaltbaren Hintergrundbeleuchtung zwischen farbigem “Standard-LCD” und lesefreundlichem und energiesparendem Graustufen-Display gewechselt werden können. Der Start der Massenproduktion ist für Ende 2009 geplant. Hinter Pixel Qi steht unter anderem Mary Lou Jepsen, die für die OLPC-Initiative bereits sparsame, im Sonnenlicht lesbare Displays entwickelt hat.

Weitere Informationen: Pixel Qi | Engadget | Upload

Plastic Logic

Plastig Logic QUE proReader

Auf der CES in Las Vegas im Januar 2010 wird Plastic Logic mit dem QUE proReader an den Start gehen, der einen Touchscreen ohne Beeinträchtigung der Darstellungsqualität verspricht. Die großen Displays von Plastic Logic, die unter anderem eine Darstellung von DinA 4 Dokumenten in Originalgröße versprechen, werden in Dresden produziert.

Weitere Informationen: QUE proReader | Lesen.net | Golem

PVI

Auch PVI (die im Juni den eInk übernommen haben) haben am Rande der FPDI biegsame ePaper-Displays für die erste Jahreshälfte 2010 angekündigt. Farbige Elektrophorese-Displays (EPDs) sollen noch im selben Jahr folgen.

Weitere Informationen: Lesen.net | DigiTimes

Samsung

Samsung

Samsung - in Korea bereits mit einem eReader auf dem Markt – forscht ebenfalls an neuen Displaytechnologien. Auf der FPDI stellte man einen frühen Prototypen mit Farbwiedergabe vor, der das elektronische Papier von eInk mit TFT-Display-Technologie und Farbfiltern kombiniert. Eine Marktreife ist nicht vor 2011 zu erwarten.

Weitere Informationen: Lesen.net | Engadget | TechOn

Die nächste Generation an eBook-Readern

Wenn man all diese Technologien betrachtet, könnte man zu dem Schluss kommen, dass es eigentlich ein denkbar schlechter Zeitpunkt sei, jetzt einen eReader zu kaufen – denn wenn der sich abzeichnende Sprung in Richtung flexibler, farbiger Displays mit hohen Bildwiederholungsraten wirklich so schnell eintritt, wird die heutige Generation an digitalen Geräten bald nur noch müde belächelt werden.

In der Vergangenheit haben sich jedoch die Terminangaben in Bezug auf die Massenproduktion der Displays nicht als zuverlässig erwiesen. Vielleicht ändert sich dies jedoch nun aufgrund des spürbar gestiegenen Interesses an eBook-Readern und ePaper-Produkten im Allgemeinen. Nach dem Motto “wer zuerst kommt, mahlt zuerst” scheinen gerade alle großen Hersteller auf den Markt zu drängen, um sich ihre Anteile für die Zukunft zu sichern. Spannend wird in diesem Zusammenhang, wann und wie Apples Einstieg in den Markt von statten gehen wird – oder ob es weiterhin nur bei Gerüchten bleiben wird.

Und um zum txtr Reader zurückzukommen: Heute in einem Jahr wird an dieser Stelle wahrscheinlich schon über die zweite Generation des txtr Readers berichtet werden. Denn während man bei txtr derzeit softwaretechnisch noch den Feinschliff an der ersten Generation vornimmt,  ist man in Punkto Hardware auch schon mit dem Nachfolger beschäftigt. Dank biegbarer Displays soll dieser größer werden und eine eigens entwickelte Touchscreen-Technologie ohne Beeinträchtigung der Lesbarkeit vorweisen können. Man darf gespannt sein, welche der oben genannten Display-Technologien dann zum Einsatz kommen wird.

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